Unsere Schlafphasen und der wahre Einfluss auf die morgendliche Erholung

3:14 Uhr. Ich weiß die Uhrzeit noch so genau, weil ich kurz aufgewacht bin und auf den Wecker geschaut habe. Das ist ja aber bekanntlich das Allerdümmste, was man nachts um drei machen kann.

Wenn du hier gelandet bist, kennst du solche Nächte vermutlich auch. Und dann kommt dieser eine Gedanke: Jetzt ist die Nacht im Eimer.

Ist sie aber meistens gar nicht. Denn dein Schlaf ist kein Block, in den du acht Stunden lang hineinfällst. Er ist eine Abfolge von Schlafphasen, die sich die ganze Nacht über wiederholen und zwischen zwei Runden kurz wach zu werden, gehört schlicht dazu.

Ich erkläre dir hier, welche Schlafphasen es gibt, was in jeder einzelnen in deinem Körper passiert und, das finde ich fast am wichtigsten, was in jeder Phase schiefgehen kann. Möglichst nah an der Praxis, Versprochen!

Dein Schlaf läuft in Phasen ab, nicht ununterbrochen am Stück

Schau dir am besten erst mal an, wie eine ganz normale Nacht aussieht:

Hypnogramm: Schlafphasen einer Nacht von 23 bis 7 Uhr Die Kurve wandert nach dem Einschlafen schnell in den Tiefschlaf. Die blau hinterlegten Tiefschlafspalten liegen fast alle in der ersten Nachthaelfte, die orange hinterlegten Traumschlafspalten werden gegen Morgen immer laenger. Zweimal wird kurz gewacht. 23 Uhr 1 Uhr 3 Uhr 5 Uhr 7 Uhr Wach Traum (REM) Einschlafen Leichtschlaf Tiefschlaf 1 Zyklus ≈ 90 Minuten kurz wach – normal
So sieht eine normale Nacht aus. Fachleute nennen diese Kurve Hypnogramm. Blau hinterlegt sind die Tiefschlaf-Abschnitte, orange der Traumschlaf. Du siehst sofort: Der Tiefschlaf drängt sich in die erste Nachthälfte, der Traumschlaf wird gegen Morgen immer länger. Schematische Darstellung – jede Nacht sieht ein bisschen anders aus.

Was du da siehst, ist ein Auf und Ab: runter in den Tiefschlaf, wieder hoch in den Traumschlaf, kurz fast wach und wieder von vorn.

Eine dieser Runden heißt Schlafzyklus und dauert etwa 90 bis 110 Minuten. Vier bis sechs davon durchläufst du pro Nacht. Und in jedem Zyklus kommen die Phasen immer in fast derselben Reihenfolge, quasi wie eine Treppe, die du hinunter und wieder hinauf gehst.

Die zwei kleinen Zacken ganz oben? Das sind kurze Wachmomente. Fast alle Menschen haben die. Der Unterschied ist nur: Wer gut schläft, erinnert sich morgens nicht daran. Wer schlecht schläft, schaut auf den Wecker, vertieft sich in Sorgen und ist damit hellwach.

Die vier Schlafphasen und was in jeder passiert

Bevor wir sie einzeln durchgehen: So verteilt sich eine typische Nacht bei Erwachsenen.

Anteile der Schlafphasen an einer Nacht Einschlafphase rund 5 Prozent, Leichtschlaf 45 bis 55 Prozent, Tiefschlaf 15 bis 25 Prozent, Traumschlaf 20 bis 25 Prozent. Eine Nacht mit 8 Stunden Schlaf 50 % 20 % 25 % ca. 5 % Einschlafen (N1) Leichtschlaf (N2) Tiefschlaf (N3) Traumschlaf (REM)
Richtwerte für Erwachsene. Rund die Hälfte der Nacht verbringst du im Leichtschlaf – der ist also keineswegs „schlechter“ Schlaf, sondern der Normalzustand. Die genauen Anteile schwanken von Mensch zu Mensch und von Nacht zu Nacht.

Phase 01Die Einschlafphase (N1): die Schwelle

Fünf bis zehn Minuten, in denen du weder richtig wach noch richtig eingeschlafen bist. Die Muskeln lassen los, die Gedanken werden bruchstückhaft, die Augen bewegen sich langsam hinter den Lidern.

Hier passiert auch dieses plötzliche Zucken, bei dem man das Gefühl hat, zu stolpern oder zu fallen. Völlig harmlos, auch wenn es einen erschreckt. Wer in dieser Phase geweckt wird, sagt oft ehrlich überzeugt: „Ich hab noch gar nicht geschlafen.“

Wenn es hier hakt: Du liegst regelmäßig deutlich länger als eine halbe Stunde wach, das Gedankenkarussell dreht sich. Das ist das klassische Einschlafproblem und die Phase, in der Grübeln am meisten Schaden anrichtet.

Phase 02Der Leichtschlaf (N2): der stille Hauptdarsteller

Diese Phase wird chronisch unterschätzt, dabei ist sie rund die Hälfte deiner Nacht. Puls, Atmung und Körpertemperatur gehen runter. Im Gehirn laufen kurze Aktivitätsmuster ab, die sogenannten Schlafspindeln. Diese schirmen dich gegen Geräusche ab und helfen dabei, Gelerntes zu sortieren.

Man kommt aus dem Leichtschlaf noch relativ leicht heraus. Genau das ist Fluch und Segen zugleich.

Wenn es hier hakt: Viele kleine Weckreize wie Lärm, Licht, ein schnarchender Partner, die volle Blase, nächtliche Atemaussetzer zerhacken den Leichtschlaf in Stücke. Die Schlafdauer stimmt dann auf dem Papier, aber du wachst auf, als hättest du gar nicht geschlafen.

Phase 03Der Tiefschlaf (N3): die Nachtschicht

Jetzt wird es ernst. Das Gehirn schaltet auf langsame, große Wellen um, der Blutdruck sinkt, die Muskeln sind komplett entspannt. Der Körper nutzt die Zeit für Reparaturarbeiten, das Immunsystem läuft, das Gehirn räumt auf und sortiert, was vom Tag bleiben soll.

Aus dem Tiefschlaf ist man nur schwer zu wecken und wenn doch, ist man für ein paar Minuten regelrecht neben der Spur. Wichtig für dich: Der Tiefschlaf drängt sich in die erste Nachthälfte. Und er nimmt mit den Jahren ab. Ab etwa 50 ist sein Anteil bei vielen Menschen deutlich kleiner als mit 25. Das ist keine Krankheit, sondern normal.

Wenn es hier hakt: Aus dem Tiefschlaf heraus passieren Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf und der nächtliche Aufschreck. Alkohol am Abend, später Sport und Dauerstress machen es dem Körper schwerer, überhaupt so tief zu kommen.

Phase 04Der REM-Schlaf: das Nachtkino

REM steht für „rapid eye movement“, die Augen zucken nämlich unter den geschlossenen Lidern hin und her. Das Gehirn ist jetzt fast so aktiv wie im Wachzustand, Puls und Atmung werden unregelmäßig. Gleichzeitig ist deine Muskulatur praktisch stillgelegt. Das klingt unheimlich, ist aber eine kluge Schutzmaßnahme: Sonst würdest du deine Träume aktiv mitspielen.

Und geträumt wird hier am intensivsten. Der REM-Schlaf gilt als die Phase, in der Erlebtes emotional einsortiert und ins Gedächtnis eingebaut wird. Er wird von Zyklus zu Zyklus länger und die längste Traumphase der Nacht hast du kurz vor dem Aufwachen. Das sorgt dafür, dass man sich noch häufig an das zuletzt geträumte Erinnern kann.

Wenn es hier hakt: Albträume und die Schlaflähmung (man wacht auf, kann sich aber kurz nicht bewegen, zwar erschreckend, aber harmlos) gehören in diese Phase. Alkohol drückt den REM-Schlaf ausgerechnet in der zweiten Nachthälfte weg. Und wer regelmäßig zwei Stunden zu früh aufsteht, kappt vor allem hier.

Warum die zweite Nachthälfte anders ist als die erste

Das ist für mich der praktischste Punkt an der ganzen Sache:

Verteilung von Tiefschlaf und Traumschlaf auf die Nachthälften Etwa 80 Prozent des Tiefschlafs fallen in die erste Nachthaelfte, etwa 70 Prozent des Traumschlafs in die zweite. 1. Nachthälfte 2. Nachthälfte Tiefschlaf 80 % 20 % Traumschlaf 30 % 70 %
Die Nacht hat zwei Hälften mit zwei Aufgaben. Grob gerundete Werte: Der Löwenanteil des Tiefschlafs ist in den ersten Stunden nach dem Einschlafen erledigt. Der Traumschlaf holt danach auf und hat sein Maximum kurz vor dem Aufwachen.

Daraus folgen zwei Dinge, die viele überraschen.

Erstens: Wenn du statt sieben nur fünf Stunden schläfst, verlierst du nicht gleichmäßig von allem. Du streichst vor allem die langen Traumphasen am Morgen, vorausgesetzt du bist pünktlich im Bett. Deshalb fühlen sich fehlende zwei Stunden viel schlimmer an, als die Rechnung zunächst vermuten lässt.

Zweitens: Das berüchtigte Aufwachen zwischen zwei und drei Uhr ist kein Defekt. Da endet oft einfach ein Zyklus und du bist dicht an der Oberfläche. Ärgerlich wird es erst, wenn Anspannung dazukommt und dann liegt man da und rechnet aus, wie viele Stunden noch bleiben. (Wir kennen das alle. Es hat noch nie geholfen.)

Und was ist mit den Kapseln aus der Drogerie?

Diese Frage kommt immer, deshalb kurz und ehrlich und ohne dass ich dir irgendetwas empfehle.

Melatonin ist das körpereigene Hormon, mit dem dein Körper den Takt zwischen Tag und Nacht vorgibt. Als Nahrungsergänzungsmittel wird es gern als harmlose Einschlafhilfe verkauft, was es aber keineswegs ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sowie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. sehen das so: Solche Präparate sollten nicht unkritisch eingenommen werden, vor allem nicht über längere Zeiträume, denn zur Langzeitanwendung gibt es kaum belastbare Daten. Als unerwünschte Wirkungen sind unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen und ein Hangover-Effekt am nächsten Tag beschrieben. Ein körpereigenes Hormon exogen zuzuführen sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Bei Magnesium lohnt sich ein Blick auf die Packung. Das BfR empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 250 mg pro Tag aufzunehmen. Ob Magnesium beim Schlaf wirklich etwas bewirkt, ist wissenschaftlich nach wie vor uneinheitlich. Studien vermuten, dass vor allem bei einem Magnesium-Mangel, zusätzliches, hochwertiges Magnesium unterstützend wirken kann.

Ich sage das nicht, um dir etwas auszureden. Wenn du seit Monaten schlecht schläfst, ist die Frage selten „welche günstige Kapsel“, sondern „was hält meinen Schlaf eigentlich auseinander“. Und das gehört besprochen, in der Apotheke oder beim Arzt, besonders wenn du ohnehin Medikamente nimmst.

Wann du das nicht mit dir allein ausmachen solltest

Eine schlechte Nacht ist eine schlechte Nacht. Von einer Schlafstörung sprechen Fachleute, wenn du über mehr als einen Monat hinweg in mindestens drei Nächten pro Woche keinen erholsamen Schlaf findest und darunter dein Alltag leidet. Dann ist ein Arztgespräch dran weil es dafür gute, gut untersuchte Lösungswege gibt.

Zeitnah abklären lassen solltest du außerdem lautes Schnarchen mit Atempausen, ausgeprägte Müdigkeit am Tag trotz ausreichender Schlafdauer und unruhige Beine, die dich abends nicht zur Ruhe kommen lassen.

Und nein, ich werde dir jetzt nicht aufzählen, was schlechter Schlaf angeblich alles anrichtet. Solche Sätze halten nachts nur zusätzlich wach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlaf läuft in Zyklen von etwa 90 Minuten ab, vier bis sechs pro Nacht.
  • Vier Phasen, immer in dieser Reihenfolge: Einschlafen, Leichtschlaf, Tiefschlaf, Traumschlaf.
  • Der Leichtschlaf macht rund die Hälfte der Nacht aus. Das ist normal, nicht schlecht.
  • Tiefschlaf steckt vor allem in der ersten Nachthälfte, Traumschlaf in der zweiten.
  • Kurz wach werden zwischen zwei Zyklen gehört dazu. Auf den Wecker schauen macht es schlimmer.

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Häufige Fragen zu Schlafphasen

Wie lange dauert eine Schlafphase?

Das kommt auf die Phase an. Die Einschlafphase dauert meist nur fünf bis zehn Minuten, Tiefschlafabschnitte in der ersten Nachthälfte können 30 bis 40 Minuten am Stück dauern, die erste Traumphase ist oft nur zehn Minuten kurz, die letzte gegen Morgen deutlich länger. Ein kompletter Zyklus aus allen Phasen dauert rund 90 bis 110 Minuten.

Wie viel Tiefschlaf ist normal?

Als Richtwert gelten etwa 15 bis 25 Prozent der Schlafzeit, bei acht Stunden also grob eineinhalb bis zwei Stunden. Mit zunehmendem Alter wird dieser Anteil geringer, ohne dass etwas nicht stimmt. Wichtiger als die Prozentzahl ist, ob du dich tagsüber erholt fühlst.

Ist es schlimm, nachts aufzuwachen?

Für sich genommen nicht. Kurze Wachmomente am Ende eines Zyklus sind normal, die meisten Menschen vergessen sie einfach wieder. Problematisch wird es, wenn du danach lange wach liegst oder das Aufwachen jede Nacht passiert und dich am Tag ausbremst.

Kann ich meine Schlafphasen mit einer Uhr oder einem Ring messen?

Nur ungefähr. Solche Geräte messen Bewegung, Puls und manchmal die Atmung und schätzen daraus die Phasen. Im Schlaflabor werden dafür Hirnströme abgeleitet – das ist etwas völlig anderes. Als grobe Tendenz über Wochen ist ein Tracker interessant. Als nächtliches Zeugnis, das dir morgens sagt, wie erschöpft du zu sein hast, richtet er eher Schaden an.

Quellen

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch.

Ursula ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt im Schlaf-Journal über Schlaf, Rhythmus und darüber, was im Alltag davon wirklich übrig bleibt.